Inflation

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Unter Inflation wird allgemein der Umstand verstanden, dass Waren und Dienstleistungen mit der Zeit teurer werden – oder umgekehrt das Geld mit der Zeit einen Teil seines Werte verliert. Der Begriff der “Teuerung” wird synonym verwendet.

Inflation wird in der Regel durch die prozentuale Veränderung des allgemeinen Preisniveaus im Vergleich zur Situation vor einem Jahr angegeben. Bei einer Inflation von 2% sind die Güter und Dienstleistungen, welche wir konsumieren, also im Durchschnitt 2% teurer als vor einem Jahr.

Einige Begriffe werden im Zusammenhang mit Inflation häufig benutzt:

Begriffsdefinitionen Inflation

InflationOberbegriff - wird meist so verwendet, dass damit steigende Preise gemeint sind, gelegentlich wird aber auch von negativer Inflation gesprochen
DeflationFallende Preise
DisinflationGelegentlich auch Desinflation - Preise steigen zwar, aber langsamer als zuvor
Hyper-InflationSehr hohe Inflation - üblicherweise sind damit Inflationsraten von über 50% pro Monat gemeint, jedoch ist dies keine scharfe Definition. Ähnlich wird auch der Begriff "galoppierende Inflation" verwendet.
StagfaltionSteigende Preise bei stagnierender Wirtschaft

Es wird also unterschieden zwischen steigenden und fallenden Preisen, aber auch einige spezielle Konstellationen haben eigene Bezeichnungen erhalten.

Disinflation

Der Begriff der Disinflation (der Begriff “Desinflation” wird synonym verwendet) beschreibt einen Zustand, in welchem das allgemeine Preisniveau steigt – jedoch weniger schnell, als es dies noch in der jüngeren Vergangenheit tat. Dies kann positiv sein, wenn das Inflationsniveau vorher zu hoch war – aber auch negativ, falls das Inflationsniveau ohnehin schon (zu) tief ist.

Hyper-Inflation

Hyper-Inflation beschreibt einen Zustand, in welchem das allgemeine Preisniveau dramatisch ansteigt. Erreicht die Preissteigerungsrate mehr als 50% pro Monat, so ist an ein normales Wirtschaftsleben nicht mehr zu denken.

Stagflation

Auch Stagflation, also ein Zustand, in welchem die Preise steigen, aber die Wirtschaft eines Landes nicht wächst, ist nicht wünschenswert. Solange die Wirtschaft wächst, sind kleine Preissteigerungen problemlos verkraftbar (ja sogar wünschenswert), bei einer stagnierenden Wirtschaftsleistung werden sie jedoch für die Konsumenten zur Bürde.

Inflation messen

Wie wird Inflation gemessen? Das Prinzip ist recht simpel, aber wie so oft steckt der Teufel im Detail.

  1. Zunächst wird ein sogenannter Warenkorb definiert. Er enthält alle Waren und Dienstleistungen, welche mit der Inflationsmessung abgedeckt werden sollen. Ein Beispiel dafür ist der Warenkorb 2016 des schweizerischen Bundesamts für Statistik für den Landesindex der Konsumentenpreise. Hier wird schon ersichtlich, das der Warenkorb im Zeitablauf nicht statisch ist. Neue Güter und Dienstleistungen kommen hinzu, alte fallen aus dem Korb und die Gewichte werden den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Der Warenkorb macht also gesellschaftliche Entwicklungen mit, zum Beispiel die Verbreitung der Mobiltelefonie, oder Veränderungen bei der Freizeitgestaltung. Um diese Entwicklungen nicht zu verpassen, befragt das Bundesamt für Statistik permanent eine Stichprobe der Schweizer Wohnbevölkerung in der Haushaltsbudgeterhebung.
    Aber nicht nur im Zeitablauf verändert sich der Warenkorb, auch die Warenkörbe verschiedener Länder unterscheiden sich. So werden beispielsweise unterschiedliche Bedürfnisse bei Nahrung, Kleidung oder Transport zu unterschieden zwischen verschiedenen Ländern führen. Darunter leidet natürlich die Vergleichbarkeit, weshalb das statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) mit dem harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) zumindest für die Länder der EU (und der Schweiz) eine vergleichbare Basis geschaffen hat.
  2. Ist der Warenkorb erst einmal definiert, gilt es, die Preise der darin enthaltenen Güter und Dienstleistungen im Zeitablauf zu messen. Je nach Herangehensweise werden dabei Aktionen, Ausverkauf und ähnliches mit berücksichtigt oder nicht.
  3. Die Prozentuale Änderung des Preises des gesamten Warenkorbes über den Zeitraumes eines Jahres ist dann schliesslich die Masszahl, welche als Inflation bezeichnet wird.

Warenkörbe

Wie oben beschrieben, wird zur Inflationsmessung zunächst ein wohldefinierter Warenkorb benötigt. Das Beispiel des Landesindex der Konsumentenpreise zeigt einen typischen Warenkorb für einen Konsumentenpreisindex. Je nach dem, was gemessen werden soll, kommen aber auch andere Warenkörbe in Betracht.

Warenkörbe

KonsumentenpreisinflationMisst die Preisentwicklung, welche ein durchschnittlicher Konsument erfährt
KerninflationKonsumentenpreisinflation, welche gewisse Güter nicht enthält (in der Regel Energie und gewisse Lebensmittel)
ProduzentenpreisinflationMisst die Preisentwicklung, welche ein durchschnittlicher Produzent erfährt
ImportpreisinflationPreisentwicklung importierter Güter und Dienstleistungen
BIP-DeflatorQuotient aus nominalem und realem BIP

Konsumentenpreisinflation

Die Konsumentenpreisinflation hat soll möglichst gut die Preisänderungen erfassen, welche ein durchschnittlicher Konsument erfährt. Sie ist dementsprechend besonders gut geeignet, diese Aufgabe zu erfüllen.

Kerninflation

Allerdings hat die Konsumentenpreisinflation einen grossen Nachteil: Sie enthält Güter, welche im Preis innert kurzer Frist stark schwanken, wie zum Beispiel Treibstoffe oder Heizöl. Die Preise dieser Energieträger schwanken im Einklang mit den Preisschwankungen für Rohöl an den Weltmärkten. Die Berücksichtigung dieser Preisschwankungen ist zwar notwendig, wenn es darum geht, die Teuerung für den Durchschnittskonsumenten zu messen – sie ist aber hinderlich für andere Zwecke. Dasselbe gilt für gewisse Lebensmittel, deren Preise starken saisonalen Schwankungen unterworfen sind, oder welche in gewissen Jahreszeiten gar nicht erhältlich sind.
Die Notenbanken aller Industrienationen und der meisten anderen Länder richten ihre Leitzinsen zumindest teilweise nach der Inflation aus. Ziel ist es dabei, die Inflation in einem gewünschten Ramen zu halten. Starke kurzfristige oder saisonale Schwankungen können dabei zu einer Überreaktion der Notenbanken führen, wenn sie diese ausgleichen wollten. Daher werden hier häufig Kerninflationsraten als Messgrösse verwendet, um ein stabileres Inflationsmass zur Verfügung zu haben.
Die Kerninflation wird nicht von allen Statistikämtern gleich definiert, häufig werden auch mehrere Definitionen parallel verwendet. In den häufigsten Fällen werden aber Energieträger und saisonale Lebensmittel herausgerechnet.

Produzentenpreisinflation und Importpreisinflation

Produzentenpreisinflation und Importpreisinflation werden häufig verwendet, um zu verstehen, weshalb die Konsumentenpreisinflation steigt oder fällt. Liegt der Grund für eine Entwicklung der Konsumentenpreise grossteils in der Entwicklung von importierten Gütern begründet, hat dies andere Implikationen für die Zinspolitik einer Notenbank, als wenn die Inflation im Inland geschaffen wurde.

BIP-Deflator

Der BIP-Deflator bezieht sich, wie der Name sagt, auf das Bruttoinlandprodukt. Der zugrunde liegende Warenkorb besteht demnach aus allen im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen. Es ist dabei unerheblich, wer diese konsumiert und ob sie exportiert oder im Inland konsumiert werden. Der BIP-Deflator dient dazu, die unterschiedliche Entwicklung von nominalem und realem Bruttoinlandprodukt zu erklären. Er ist der Quotient aus dem nominalen und dem realen BIP.

{BIP\text{-}Deflator}=\frac{BIP_{nominal}}{BIP_{real}}

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Wirtschaftsversteher

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